Arbeitskreis Psychotraumatologie und Katathym Imaginative Psychotraumatherapie

 

Leitung: Dipl.-Psych. Beate Steiner · Liebigstraße 13 a · 64293 Darmstadt

Tel: +49 (6151) 2 55 98 · Fax: +49 (6151) 10 10 632 · E-Mail: info(a)kipt.eu


Zertifiziertes Curriculum in         Psychotraumatherapie der Deutschen Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT)

Mit folgenden curricularen Inhalten können Sie die Qualifikation in „Spezielle Psychotraumatherapie nach den Richtlinien der DeGPT“ und eine entsprechende Anerkennung erwerben. Darin sind die 100 UE KIPT enthalten sowie spezifische Fortsetzungsseminare.

Unser Institut ist autorisiert und entsprechend anerkannt, dieses Curriculum durchzuführen.

Curriculare Module/Inhalte

Std.

(UE)

1. Theoretische Grundlagen

 

Geschichte der Psychotraumatologie, Neurobiologie, Besonderheiten des Traumagedächtnisses, Störungs- und Behandlungsmodelle. Überblick über traumaspezifische Behandlungsverfahren, Behandlung durch Psychopharmaka.

 

Überblick über den aktuellen Stand der Psychotherapieforschung im Bereich Trauma (Metaanalysen etc.), Epidemiologie und häufige komorbide Störungsbilder.

 

Besonderheiten bei spezifischen Traumatisierungen (z. B. sexuelle Gewalt, Bindungstraumata, Migrationsprobleme, Folter, militärische Einsätze) (siehe altes Curriculum Punkt 5.); juristische Grundkenntnisse (Opferschutzgesetz,  GewSchG); Grundlagen des Heilverfahrens der Berufsgenossenschaften/Unfallversicherungen (siehe Fortsetzungsseminare von Irmgard Künzl-Daldorf und Gabi Löw).

 

Möglichkeiten kontinuierlicher Fortbildung (Leitlinien, Diskussion von „Evidence-Based Medicine", Fachgesellschaften, Fachzeitschriften)

 

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2. Diagnostik und Differentialdiagnostik von Traumafolgestörungen

 

Durchführung von Erstgesprächen und Psychoedukation bei traumatisierten Patienten. Grundlagen der Diagnostik mit Checklisten, Fragebogenscreening und diagnostischen Interviews. Differentialdiagnostik der Traumafolgestörungen (jeweils mit Diagnosekriterien, Überblick zu Screeninginstrumenten und Interviewdiagnostik).
Dabei werden detailliert behandelt:

  • Diagnostik akuter Belastungsreaktionen
  • Diagnostik der posttraumatischen Belastungsstörung
  • Diagnostik komplexer Traumafolgestörungen einschließlich Dissoziativer Störungen

 

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3. Techniken zur Ressourcenaktivierung und zur Förderung der Affektregulation

 

Förderung von Affektregulation, Selbst- und Beziehungsmanagement und sozialen Kompetenzen sowie von intra- und interpersonellen Ressourcen. Techniken zur Re-Orientierung- und Unterbrechung intrusiver Symptome durch Distanzierung.

  1. Kognitive Techniken (z. B. Explorieren und Verändern dysfunktionaler Kognitionen, Bearbeiten von Schuld, Scham, Ekel und anderer traumassoziierter kognitiv-emotionaler Schemata).
  2. Imaginative Techniken zur Distanzierung und Ressourcenaktivierung (Imagi-nationsübungen, Screentechniken)
  3. Gezielte Förderung der Fähigkeit zur Affektmodulation und Affektkontrolle. Symptommanagement bei Selbstverletzen und anderen selbstschädigenden Handlungen (z. B. achtsamkeitsbasierte Übungen, Skillstraining). Erstellen von Notfallplänen (‚Notfallkoffer‘) und Ressourcenlisten (siehe Seminar Kognitive VT von Irmgard Künzl-Daldorf).

Aus allen drei Bereichen werden Techniken ausführlich dargestellt, praktisch eingeübt und ihr differentieller Einsatz diskutiert.

 

 

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4. Behandlung akuter Traumafolgestörungen und Krisenintervention

 

Phasenverlauf und Erscheinungsbilder akuter Traumatisierungen, traumaspezifische Krisenintervention, Unterstützung natürlicher Verarbeitungsprozesse, Psychoedukation, Selbstberuhigungstechniken (innerer sicherer Ort, innere hilfreiche Gestalten), Verhinderung von Folgetraumatisierungen. Gesprächsführung in der akuten Situation, Umgang mit Phänomenen akuter Belastungsstörungen (wie z. B. Dissoziation, Angstreaktionen, Suizidalität, Substanzmissbrauch), Kooperation mit Opferhilfe-Organisationen und den Diensten vor Ort. Besonderheiten von Großschadenslagen. Besonderheiten von Arbeitsunfällen.

 

Evidenzbasierung von Debriefing-Maßnahmen. Einsatz von konfrontativen Behandlungstechniken in den ersten vier Wochen nach akuter Traumatisierung (Evidenzbasis, Darstellung der Vorgehensweisen, Information zum Stand der Wirksamkeit verschiedener Verfahren) (vergleiche Fortsetzungsseminar Akuttrauma von Irmgard Künzl-Daldorf).

 

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5. Konfrontative Bearbeitung von Traumafolgesymptomen (non-komplexe) Traumatisierung (siehe Seminare von Ulrich Sachsse und Irmgard Künzl-Daldorf)

 

Vermittelt werden evidenzbasierte Vorgehensweisen (Evidenzstufe Ia nach Cochrane) in Theorie (Krankheitsmodelle, Indikation, Kontraindikation, Differentialindikation) und Praxis (praktische Übungen, Beherrschen des Behandlungsprotokolls).

 

EMDR (bitte bei den anerkannnten EMDR Fortbildungsinstituten belegen) wird im Detail, die andere Vorgehensweise (mind. UE 8 ) unterrichtet.

 

Verfahren:

  1. EMDR
  2. verhaltenstherapeutische Expositionsbehandlung und die kognitive-verhaltenstherapeutische Behandlung von Traumafolgestörung
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6. Behandlung komplexer Traumafolgestörungen einschließlich Dissoziativer Störungen

 

Da bei komplexen Folgesymptome von Traumatisierungen, insbesondere in der Kindheit oder unter extremen Bedingungen, zusätzlich zu den Anforderungen an die Behandlung von Patienten mit non-komplexer PTBS weitere Behandlungs­notwendigkeiten zu berücksichtigen sind, werden diese in Modul 6 vermittelt:

 

Bei PTBS mit komorbider Symptomatik (z. B. Suchterkrankung, Angststörung, andere psychische Erkrankungen und sekundärpsychotische Phänomene):

Therapieplanung bei Komorbidität (spezielle Bedingungen der Indikationsstellung konfrontativer Verfahren und Kontraindikationen, Hierarchisierung von Therapiezielen) Störungsspezifische Ansätze bezogen auf die komorbide Problematik (siehe ISTSS Guidelines).

 

Bei PTBS mit komorbider persönlichkeitsprägender Symptomatik:

Förderung der Beziehungsfähigkeit und der Fähigkeit zur interpersonellen Kompetenz, Autonomie und Nähe-Distanz-Regulatio.

 

Aufbau selbstfürsorglicher Verhaltensweisen/Förderung von Alltagsressourcen.

 

Vermittlung von Strategien zum Umgang mit Krisensituationen.

 

Bearbeitung traumaassoziierter Emotionen und dysfunktionaler Kognitionen (z. B. Scham, Schuldgefühle, Ekel, Ablehnung der eigenen Person).

 

Bei PTBS mit komorbider Dissoziativer Störung zusätzlich (siehe Fortsetzungsseminar Gabriele Löw):

Einsatz antidissoziativer Skills

 

Förderung von Wahrnehmung, Verstehbarkeit und Steuerungsfähigkeit zuvor dissoziierter Bereiche des Erlebens

 

Vermittelt werden folgende Therapiemethoden,  die eine spezifische Behandlung von Traumafokussierung und Ressourcenorientierung so verzahnen, dass ein traumaverarbeitender Prozess bei Patienten mit konplexen Traumafolgestörungen ermöglicht wird.

 

Kognitiv behaviorale Traumatherapie und deren Kombination mit Expositions­behandlung

 

Tiefenpsychologisch imaginative Traumatherapien (Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie (PITT) und Katathym Imaginative Psychotraumatherapie (KIPT))

 

sowie hypnotherapeutische Techniken (Ego-State Therapie und Techniken nach der Theorie der strukturellen Dissoziation nach van der Hart, Nijenhuis und Steele) bewährt.

 

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7. Selbsterfahrung und Psychohygiene

 

Themenzentrierte Selbsterfahrung (wenn gewünscht auch bei anderen von der DeGPT anerkannten Supervisoren bzw. bei durch ausbildungsberechtigten Instituten benannten und entsprechend in Psychotraumatherapie qualifizierten Therapeuten).

 

Vermittelt werden Möglichkeiten der Selbstdiagnose von sekundärer Traumatisierung und Burnout, und Möglichkeiten des Selbstschutzes für die BehandlerIn, vor allem Möglichkeiten der imaginativen narzisstischen Restitution und der Selbstfürsorge werden eingeübt. Erkennen von und Umgang mit traumatisierender Übertragung und Gegenübertragung.

 

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8. Supervision

 

Supervision eigener Behandlungsfälle (nach Möglichkeit video-dokumentiert; u. a. Indikationsstellung und Behandlungsplanung) in Einzelsetting oder Gruppen (max. 6 Teilnehmer). Wenn gewünscht kann die Supervision auch bei anderen von der DeGPT anerkannten Supervisoren absolviert werden.

 

Abschlusskolloquium

 

Kollegiales fallbezogenes Gespräch.

 

Voraussetzungen für die Zulassung zum Abschlusskolloquium sind sechs super­vidierte und dokumentierte, kurzgefasste Behandlungsfälle) mit unterschied­lichen Störungsbildern (Vollbild PTBS, komplexe Traumatisierung u. a. nach Kindheitstrauma - mind. 50 Behandlungsstunden, und - wenn möglich - mind. eine Akuttraumatisierung) einzureichen.

 

Vier Behandlungsfälle müssen eine volle Diagnostik (einschließlich mindestens dreier traumaspezifischer Testverfahren) beinhalten.

 

Zwei dieser Behandlungsfälle sind Grundlage des Abschlusskolloquium (Checkliste zur Falldokumentation).

 

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Gesamtstunden (UE) 140