Symposium zu Ehren des 80. Geburtstages von Herrn Prof. Léon Wurmser

Freitag/Samstag, 02./03.12.2011 im CoenenPalais in Koblenz-Ehrenbreitstein

Von den zentralen psychoanalytischen Grundannahmen hat Sigmund Freud das Über-ich erst 1923 eingeführt, obwohl es unzweifelhaft eine große Bedeutung in den klinischen Behandlungen, aber auch für das Verständnis von Kulturphänomenen hat. Dessen Konzeptualisierung hat Léon Wurmser in bedeutender Weise weiterentwickelt und vertieft.

Das Tagungsthema nimmt dieses wichtige Anliegen Léon Wurmsers und sein Grundverständnis auf, psychische Störungen – auch schwere Neurosen und Frühstörungen – als Ausdruck eines Konflikts zu betrachten, wobei Schamund Schuldgefühle als Kern der Neurose, das archaische Über-Ich, Ressentiment und Wiederholungszwang von zentraler Bedeutung sind. Je heftiger und bitterer das Ressentiment, basierend auf tiefer Demütigung und Scham, desto schärfer zerfällt die eigene Weltsicht ins Absolute, in ein Entweder-Oder und umso verheerender ist die Rachsucht, die über den Einzelnen hinaus auch ganze Gesellschaften in gewaltige Ausschreitungen und Verwüstungen führen kann.

Die Referenten werden sowohl aus psychoanalytischklinischer, als auch aus literatur- und kulturwissenschaftlicher Sicht verschiedene Aspekte des „inneren Richters“ beleuchten und dabei die tragische Wahrheit der Konfliktnatur des Menschen in ihrem unabdingbaren Gegensatz zur Sprache bringen. Für die gemeinsamen Diskussionen dazu soll ausreichend Raum sein. Zudem ist beabsichtigt, die unterschiedlichen Standpunkte in einem abschließenden Panel miteinander in Beziehung zu bringen und zu fragen, ob und wie sie zu versöhnen sind. Ein Höhepunkt der Tagung wird auch ein abendliches Festessen zu Ehren Léon Wurmsers sein.

Die Einzelheiten zur Anmeldung zum Symposium entnehmen Sie bitte beigefügtem >> Flyer.

Programmablauf Freitag, 02.12.2011

ab 15.30 Uhr
Anmeldung
 16.00 Uhr
 Begrüßung und Einführung
  • Beate Steiner, Darmstadt, Initiatorin des Symposiums
  • Werner Dinkelbach, Andernach, Leiter des Instituts
 Moderation: Ulrich Bahrke, Frankfurt
16.15 - 17.00 Uhr Laudatio für Léon Wurmser
Heidrun Jarass, Regensburg
 17.00 - 18.00 Uhr Der »innere Richter« im alten Ägypten
Jan Assmann, Konstanz
18.00 - 20.00 Uhr
Diskussion
20.00 Uhr
Festlicher Abend zu Ehren des 80. Geburtstags von Leon Wurmser mit Abendessen und Rahmenprogramm


Programmablauf Samstag, 03.12.2011

 Moderation: Beate Steiner
9.30 - 10.20 Uhr
„Innerer Richter“ und „Herzenskündiger“ im Wandel der Zeit – Die Rolle des archaischen Über-Ichs im Einzelnen und in der Kultur
Léon Wurmser, Towson 
10.20 - 10.50 Uhr Co-Referat: Totalitäres Gewissen – agiert und verstanden – klinischen Beispiels einer schweren Neurose
Heidrun Jarass, Regensburg
10.50 - 11.15 Uhr Diskussion
11.15 -11.45 Uhr
Kaffeepause
11.45 - 12.30 Uhr
Der »innere Richter« und ewige Kind
Marion Oliner, New York
12.30 - 12.50 Uhr
Diskussion
Mittagspause  
Moderation: Ulrich Bahrke
14.15 - 15.00 Uhr
„Vorbild und Verräter in einer Person“ – Péter Esterházy über seinen Vater
Heidi Gidion, Göttingen
15.00 - 15.20 Uhr
Diskussion
15.20–16.05 Uhr
 Familiendynamische Perspektiven der Über-Ich-Entwicklung und Über-Ich-Tradierung
Günter Reich, Göttingen
16.05 - 16.25 Uhr
Diskussion
16.25 - 16.55 Uhr
Kaffepause
16.55 - 17.55 Uhr
Panel (Jan Assmann, Heidi Gidion, Heidrun, Jarass, Marion Oliner, Günter Reich, Léon Wurmser) „Nur das Zusammengesetzte,
Widerprüchliche ist wahr“?
17.55 Uhr
Verabschiedung